Demokratiegeschichten

Märtyrer der Revolution – die Beerdigung der Märzgefallenen in Berlin

Am 22. März 1848 versammeln sich Tausende in Berlin, um den gefallenen Kämpfer:innen der Revolution zu gedenken. Denn sie hatten ihr Leben für Freiheit und Demokratie riskiert und letztlich geopfert. Die Menschen wollen zum einen ihre Trauer, aber zum anderen auch ihre Solidarität ausdrücken. Allen ist klar: Das gemeinsame Ziel, dass sie alle vor Augen haben, erreichen sie nicht, ohne einen Preis zu zahlen.

Ein König gibt klein bei?

Die revolutionären Unruhen von 1848 erreichen Berlin Mitte März, als Bürger:innen und Arbeiter:innen für politische Reformen wie Pressefreiheit und die Schaffung eines gesamtdeutschen Nationalstaates auf die Straße gehen. Die Situation eskaliert und es kommt zu gewaltsamen Auseinandersetzungen und Barrikadenkämpfen zwischen den Demonstrierenden auf der einen und der preußischen Armee auf der anderen Seite. Bis zu 14.000 ausgebildete Soldaten gehen gegen 3.000 bis 4.000 kämpfende Revolutionär:innen vor.

Barrikadenkämpfe in Berlin am 18./19. März 1848, kolorierte Kreidelithographie (ca. 1848-1850). Quelle: gemeinfrei

Nach heftigen gewaltsamen Auseinandersetzungen lässt der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Kämpfe am 19. März schließlich einstellen und ruft seine Truppen zurück. Mit einer Proklamation „An meine lieben Berliner“ wendet er sich an sein Volk und macht Zugeständnisse:

„Kehrt zum Frieden zurück, räumt die Barrikaden, die noch stehen, […] und ich gebe euch mein königliches Wort, daß alle Straßen und Plätze sogleich von den Truppen geräumt werden sollen und die militärische Besetzung nur auf die nothwendigsten Gebäude […] beschränkt werden wird“

Berlin auf der Straße

Für mehr als 300 „Märzgefallene“ kommt das Ende der Kämpfe aber zu spät. Ihre Särge reihen die Überlebenden vor dem Deutschen Dom auf, wo auch der König vor ihnen das Haupt senkt. Von vielen Zeitgenoss:innen als Unterwerfung unter die Demokratiebewegung verstanden, ist es in Wahrheit nur taktische Heuchelei.

Am 22. März nehmen unzählige Berliner:innen, manche Quellen sprechen von 20.000 Menschen, am Gedenk- und Trauerzug vom Spittelmarkt zum Friedhof in Berlin-Friedrichshain teil. Der Trauerzug soll siebeneinhalb Kilometer lang gewesen sein. Als er das Stadtschloss passiert, zollen auch nochmal der König und seine Minister (nicht aus Überzeugung, sondern, um den eigenen Kopf zu retten) den Toten ihren Respekt.

Heutiger Gedenkstein auf dem Friedhof der Märzgefallenen in Berlin-Friedrichshain. Quelle: Achim Raschka / CC-BY-SA-4.0

Die Menge besteht aus Arbeiter:innen, Intellektuellen, Frauen und Männern. Die Trauerfeier an sich besteht dann aus Reden, die die demokratische Werte beschwören und den Mut der gefallenen Männer und Frauen würdigen. Sie betonen, dass bereits Errungene zu verteidigen und das Streben nach einem vereinten und freien Deutschland nun bloß nicht aus den Augen zu verlieren. Außerdem erklingen Lieder, die Freiheit und Widerstand gegen antidemokratische Unterdrückung fordern.

Noch ein langer Weg zu gehen

Die gesamte Zeremonie ist also nicht nur ein Akt des Gedenkens. Vielmehr richtet sie den Blick noch stärker auf die Zukunft und schwört die Teilnehmenden auf die Fortsetzung des revolutionären Kampfes ein. Die Gefallenen sollen ihr Leben nicht umsonst gegeben haben!

So sollte die Beerdigung auf dem Friedhof der Märzgefallenen zu einem wichtigen Ankerpunkt der deutschen Arbeiterbewegung und der fortschrittlichen Kräfte werden. Sie macht den Beteiligten deutlich, dass der Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Demokratie mit großen Opfern verbunden sein wird. Die Veranstaltung am 22. März 1848 endet mit der Beschwörung, die revolutionären Ideale weiter hochzuhalten und eine bessere Gesellschaft anzustreben.

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Über uns 
Ulli E. arbeitet bei Gegen Vergessen - Für Demokratie e.V. als Projektkoordinator im Bereich Demokratiegeschichte.

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