Am 15. Februar 2024 nahm Alexej Nawalny per Video an einer Sitzung des Regionalgerichts teil. Dabei wurde er als „wach, gesund und fröhlich“ beschrieben. Nur einen Tag später wurde bekannt gegeben, dass der führende russische Oppositionspolitiker in der Kolonie gestorben sei.
Ein Jahr nach dem Tod von Alexej Nawalny, am 16. Februar 2025, wird in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin ein Gedenkabend abgehalten. Die russische Journalistin Julia Taratuta moderiert die Veranstaltung und spricht mit Nawalnys Witwe, Julia Nawalnaja, über das Leben und Vermächtnis ihres verstorbenen Mannes. Ein Bericht von Juliania Bumazhnova.

Menschen stehen Schlange, um eine Unterschrift von Julia Nawalnaja zu bekommen, Quelle: Juliania Bumazhnova.
Die blauen Fenster der Kirche leuchten im Hintergrund, während sich etwa 300 Menschen versammeln, um Alexej Nawalny zu gedenken. Als Julia Nawalnaja das Podium betritt, erheben sich die Anwesenden und applaudieren. Ein Video zeigt eine lange Schlange von Menschen, die trotz der Gefahr von Repressalien das Grab Nawalnys besuchen. Viele im Publikum weinen. Nawalnaja erzählt, dass gerade das gemeinsame Trauern im letzten Jahr und die vielen unterstützenden Nachrichten ihr geholfen haben, das letzte Jahr durchzustehen. Das Schlimmste in dieser Zeit sei es gewesen, etwas zu erleben und es mit ihrem Mann nicht teilen zu können.
Julia Nawalnaja erinnert sich an ihren Mann
Über ihren Mann sagt sie, dass er ihr immer viel Halt gegeben hat.
Sie liest dem Publikum einige Ausschnitte aus seinen Briefen vor, die er ihr aus dem Gefängnis geschickt hat. Trotz seiner schwierigen Situation klingen diese Briefe ermutigend und optimistisch.
“Was ist dein politisches Ziel?” fragt sie die Journalistin.
Nawalnaja antwortet, dass sie sich wünscht, dass das Regime von Wladimir Putin so schnell wie möglich endet und Russland zu einem „normalen, demokratischen Land“ wird. Sie ermutigt die Anwesenden, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um dieses Ziel zu erreichen. Vor allem sollen sie niemals aufgeben. Denn genau das sei es, was Putin erreichen möchte: dass sich das Gefühl der Hoffnungslosigkeit breit macht.
Der Schmerz der Flucht
Am Ende des Abends haben die Anwesenden die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Doch es wird schnell klar, dass es weniger um Fragen geht als vielmehr darum, den eigenen Schmerz zu teilen.
„Ich spüre eine völlige Leere“, sagt ein Mann, der vor kurzem aus Russland nach Deutschland geflohen ist und keine Dokumente hat.
„Ich weiß nicht, welche Tätigkeit ich hier ausüben soll. Mich interessiert nur die oppositionelle Politik“, berichtet ein 19-Jähriges Mädchen, das vor kurzem eingereist ist.
Nawalnaja antwortet darauf: „Das alles wird irgendwann vorbei sein.“
Trotz der spürbaren Enttäuschung und Trauer bleibt der Glaube an Veränderung und eine bessere Zukunft in der russischen Opposition lebendig. Die Hoffnung auf einen Wandel des Systems und auf eine gerechtere Zukunft motiviert weiterhin viele, für ihre Überzeugungen zu kämpfen.
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